Was Sie unbedingt wissen sollten vor der Maklernachfolge

Autor: Charlotta Barth

Oktober 23, 2020 Posted by Uncategorized 0 thoughts on “Was Sie unbedingt wissen sollten vor der Maklernachfolge”

Sie haben als Versicherungsmakler keinen Nachfolger im eigenen Unternehmen? Noch hat sich niemand bei Ihnen gemeldet, der Ihnen ein Angebot für Ihr Lebenswerk gemacht hat? Ein Faktencheck mit den 3 wichtigsten Fragen hilft Ihnen zum besten Preis für Ihr Lebenswerk.

75 Prozent der Versicherungsmakler haben noch keinen Plan für Ihren Ruhestand. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig darum zu kümmern. Welche Fragen Sie beachten sollten, um die optimale Nachfolge zu finden, lesen Sie im Folgenden:

1) Wie bekomme ich den besten Preis für mein Lebenswerk?

Bei aller Liebe zum Job und Begeisterung für den Versicherungsbetrieb, am Ende geht es darum, ein auskömmliches Leben damit finanzieren zu können. Und das ist auch gut so. Gerade für Einzelmakler ist es aber die größte Herausforderung, den geeigneten Nachfolger zu finden. Ist aber keine Ablösung in Sicht, bleibt nur der Verkauf des Lebenswerkes. Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: Beim Share Deal erwirbt ein Käufer die Anteile des bisherigen Eigentümers. Hier wechselt also das gesamte Maklerunternehmen inklusive aller Rechte und Pflichten, Mitarbeiter, Anlagevermögen und sogar Schulden den Besitzer. Beim Asset Deal geht es lediglich um bestimmte Vermögenswerte, im Fall des Versicherungsmaklers ist das der Kundenbestand (siehe Grafik).

(Grafik: Wie sich Share- und Asset Deal voneinander unterscheiden)

Der Bestandsverkauf ist die einzig relevante Nachfolgelösung für sehr viele Versicherungsmakler, gerade auch weil sie abseits der Metropolregionen keine oder nur schlechte Angebote erhalten. Gerade für solche Unternehmen bedeutet der Bestandsverkauf im Allgemeinen und das Rentenmodell im Speziellen einen Quantensprung bei der Bewertung und damit in der Regel ein Vielfaches des Verkaufspreises, den diese Makler bis dato erzielen konnten. Denn ein Unternehmensverkauf ist mit nicht unerheblichen finanziellen und bürokratischen Aufwand verbunden. Der lohnt sich in aller Regel erst ab einer jährlichen Courtage von 100.000 Euro.

Preisliche Einordnung von Share- und Asset Deal

2) Woran erkenne ich einen solventen Käufer?

Es spielt keine Rolle, ob ein Versicherungsmakler den Verkauf per Share oder Asset Deal anstrebt: der Käufer sollte seriös, vertrauenswürdig und solvent sein. Wer sein Unternehmen verkauft, will wissen, ob das Unternehmen auch weiterexistiert und ob die Mitarbeiter auch in Zukunft weiter beschäftigt sind. Zentral ist bei regionaler Kundschaft auch die Frage, ob die Betreuung durch den neuen Besitzer auch weiter gewährleistet ist – man begegnet sich schließlich auf der Straße, im Verein oder in der Kneipe.

(Grafik: Darauf sollten Sie beim potenziellen Käufer Ihres Versicherungsbestandes achten)

Das gilt ebenfalls für den Asset Deal. 

Manch ein Versicherungsmakler fühlt sich allein gelassen, wenn er eine Anleitung ausgehändigt bekommt, mit der er selbst die Bestandsübertragung bei seinen Versicherern vornehmen muss. Verkäufer sollten deshalb auch prüfen, ob für die Übertragung Gebühren verlangt werden. Wichtig ist eine umfassende Erfahrung des Käufers auch in Fragen des Datenschutzes. Die DSGVO spielt auch hier eine wichtige Rolle. Ein zuverlässiger Käufer ist daran zu erkennen, wie lange er bereits am Markt ist. Idealerweise ist er auch selbst Versicherungsmakler und betreut künftig die Kunden selbst. Das senkt die Wahrscheinlichkeit von Umdeckungen. Vorsicht bei Rentenanbietern, die Garantien anbieten. Vermutlich sind diese im Kleingedruckten des Kaufvertrages irgendwo aufgeweicht oder die Rente fällt von Beginn an deutlich geringer aus. Wie bei allen finanziellen Entscheidungen gilt auch hier: Garantien kosten Rendite. Das kann man leicht beim Vergleich des Asset-Deals gegen fixen Kaufpreis mit dem Rentenmodell erkennen.

Ein direkter Besuch vor Ort beim potenziellen Nachfolger kann darüber hinaus Vertrauen schaffen.

3) Bestand einfach auslaufen lassen?

Makler-Run-offs werden derzeit wieder wahrscheinlicher. Das ist das Ergebnis unseres Maklerbarometers. Es ist ein besorgniserregender Trend, dass sich viele damit auch rechtlichen Risiken aussetzen. Offenbar glauben ältere Einzelmakler aber keine Wahl zu haben, weil sie zunehmend von Altersarmut bedroht sind. Das Neugeschäft fehlt diesen Unternehmern aktuell besonders, weil ihnen auch die Zeit bis zum Ruhestand fehlt, Bestände ausreichend auszubauen. Wenn 60 Prozent der Makler im Rentenalter weitermachen wollen, tun sie das vor allem, weil sie keine andere Altersvorsorge haben.

Das bedeutet mit fortschreitendem Alter de facto, dass viele Versicherungsmakler die Bestandscourtage mit einer fortlaufenden Rente gleichsetzen und Kunden gar nicht oder nur noch auf Anfrage betreuen. Finanziell wirft ein solcher Bestands-„Run-off“ zunächst auch mehr ab. Bei unserem Beispielmakler mit anfänglich noch 75.000 Euro wendet sich das Blatt aber ziemlich schnell

Beim Rentenmodell bleiben durch laufende Betreuung wesentlich mehr Kunden und damit Bestandscourtage erhalten und die Betriebskosten sind durch eine Verwaltungspauschale des Käufers auf maximal 500 Euro im Monat gedeckelt.

Neben dem finanziellen Aspekt sprechen folgende Punkte gegen einen Makler-„Run-off“:

  • Makler unterschätzen, wie viel Arbeit sie trotzdem weiterhin mit der Verwaltung des Bestands haben.
  • Dazu kommen rechtliche und finanzielle Risiken aufgrund von Deckungslücken. Kann man dem Versicherungsmakler nachweisen, dass er seinen Betreuungspflichten nicht nachgekommen ist, drohen in einem solchen Fall Haftungsrisiken – und bei einem Makler, der seinen Bestand einfach auslaufen lässt, dürfte dieser Nachweis nicht schwerfallen.
  • Zu allem Übel müssen auch Kleinbetriebe die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) umsetzen, was nicht unerheblichen Aufwand bedeutet. Bei Nichtbeachtung drohen empfindliche Strafen.
  • Und wenn es gesundheitlich doch mal nicht mehr geht, ist niemand da, der sich um den Bestand kümmern oder ihn verkaufen könnte. Dass das ganz schnell gehen kann, wissen Makler aus ihrem eigenen Umfeld. Es wird aber gerne ignoriert.

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