Vorsicht bei Bestandsübertragungen durch die Hintertür

Autor: Peter Link (Syndikus Policen Direkt-Gruppe)

November 16, 2018 Posted by Uncategorized 0 thoughts on “Vorsicht bei Bestandsübertragungen durch die Hintertür”

Wer sich als Versicherungsmakler eine Rente durch Bestandsübertragung sichern will, ist darauf angewiesen, dass mit der Bestandsübernahme möglichst viele Kunden zum neuen Makler wechseln. Einige Anbieter holen sich das für die Courtage und Betreuung benötigte Einverständnis des Kunden zum Betreuerwechsel durch die Hintertür: Wer als Kunde der Bestandsübertragung nicht ausdrücklich widerspricht, wechselt automatisch zum neuen Makler. Auf den ersten Blick erscheint dieses Vorgehen reizvoll, weil es für alle Beteiligten einfach erscheint. Allerdings birgt dieses Vorgehen einige Risiken.

Rechtliches Risiko: Bußgelder nach der DSGVO

Wenn Sie als Makler in den Ruhestand gehen und Ihren Bestand an einen Kollegen übertragen möchten, sollten Sie darauf achten, dies gemäß den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu tun.

Wie bisher nach dem Bundedatenschutzgesetz auch, bedarf jede Verarbeitung personenbezogener Daten gemäß Art. 6 DSGVO einer rechtlichen Grundlage. Sofern kein Sonderfall vorliegt (z.B. ein öffentliches Interesse oder ein berechtigtes Interesse des Verantwortlichen, das die Interessen des Betroffenen überwiegt), ist in der Regel eine Einwilligung des Betroffenen in die Übermittlung erforderlich, hier also die Einwilligung des Kunden in die Übermittlung seiner Daten.

Konkret heißt es in Art. 7 DSGVO:

„Beruht die Verarbeitung auf einer Einwilligung, muss der Verantwortliche nachweisen können, dass die betroffene Person in die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten eingewilligt hat.“
In der Regel hat der Kunde zwar in seinem Maklermandat in die Datenverarbeitung eingewilligt. Die wenigstens Maklermandate enthalten aber auch eine Einwilligung in die Datenweitergabe an einen anderen Makler zum Zwecke der Betreuungsübernahme.

Makler, die bei einer Bestandsübertragung nicht ausdrücklich beim Kunden nachfragen, ob sie sich künftig um dessen Versicherungsangelegenheiten kümmern dürfen, berufen sich meistens auf den „Datenschutzkodex“, den Code of Conduct des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft. Dort heißt es, dass Kunden bei einem Wechsel zu einem neuen Versicherungsvertreter möglichst frühzeitig, mindestens jedoch zwei Wochen vor der Übermittlung ihrer personenbezogenen Daten von ihrem Versicherungsvertreter oder dem Versicherer darüber informiert werden sollen.
Siehe GDV, Code of Conduct, Stand 29.06.2018, Art. 20 Abs (2), abrufbar unter: https://www.gdv.de/resource/blob/23938/4aa2847df2940874559e51958a0bb350/download-code-of-conduct-data.pdf
Widerspricht der Kunde hiernach nicht innerhalb einen bestimmten Frist, wird dann davon ausgegangen, dass er der Übernahme und der Übermittlung seiner Daten zustimmt.
Achtung: Der Code of Conduct ist allerdings eine freiwillige Selbstverpflichtung und eine Auslegung der datenschutzrechtlichen Anforderungen des GDV.
Der Code of Conduct hat keine rechtliche Bindungswirkung und kann auch keine datenschutzrechtlichen Erlaubnistatbestände schaffen.

  • Wichtig: „Einwilligung“ im Sinne des Art. 7 DSGVO bedeutet, dass der Betroffene VOR der Verarbeitung seiner personenbezogenen Daten, also vor der Übermittlung, eingewilligt hat.
    Und: Entgegen einer landläufig weit verbreiteten Meinung hat Schweigen in der Regel keinen rechtlichen Erklärungsgehalt, d.h. Schweigen auf die Anfrage zur Bestandsübertragung ist in der Regel keine Zustimmung.

Gehen Sie deshalb bei einer Bestandsübertragung auf Nummer sicher und bestehen Sie darauf, dass der neue Versicherungsmakler Ihre Kunden ausdrücklich und vor Bestandsübertragung um Erlaubnis bittet, sie in Zukunft zu betreuen bzw. stellen Sie selbst sicher, dass Ihre Kunden einwilligen.
Bei Verstößen sieht die DSGVO Bußgelder vor. Die DSGVO hat die bisherigen Bußgeldrahmen drastisch erhöht und sieht Bußen bis max. 20 Millionen Euro oder 4 Prozent des Jahresumsatzes des Verantwortlichen vor.

Kundenübertragung durch die Hintertür kommt nicht gut an: Erhöhtes Risiko des Bestandsabriebs

Versicherungen sind Vertrauenssache. Versicherungsmakler genießen das Vertrauen ihrer Kunden. Wenn Sie personenbezogene Daten Ihrer Kunden einfach an einen anderen Makler weitergeben ohne vorherige Einwilligung, geben Sie Ihren Kunden das Gefühl, nicht mehr Herr über ihre Daten zu sein.

Der Vertrauensverlust kann immens sein und schnell zu hohem Bestandsabrieb führen. Viele Kunden werden sich so wohl dazu entschließen, den Makler zu wechseln, aber vermutlich nicht zu demjenigen, den Sie empfehlen.

Zudem müssen Sie mit Beschwerden von Kunden bei den Datenschutzaufsichtsbehörden rechnen.

  • Tipp: Übertragen Sie Ihren Bestand an einen Anbieter, der die Maklervollmacht Ihrer Kunden ausdrücklich und aktiv einholt und Ihnen damit auch Ihre Rente sichert, bzw. stellen Sie selbst sicher, dass der Kunde einwilligt.
    Auf diese Weise erhalten Sie zuverlässig Ihre Courtagen und Ihre Kunden schätzen den transparenten und nachhaltigen Übergang.

Nur mit der ausdrücklichen Maklervollmacht ist die Courtage sicher

Mit einer Bestandsübertragung per Widerspruchsrecht und ohne ausdrückliche Maklervollmacht ist der Makler im Übrigen abhängig vom Wohlwollen des Versicherers.

  • Achtung: Die Versicherungsgesellschaft muss den neuen Makler nicht akzeptieren, wenn dieser keine ausdrückliche Vollmacht vorweisen kann.

Wenn das Versicherungsunternehmen eine Bestandsübertragung nicht anerkennt, steht ihre Rente und damit ihre finanzielle Existenz auf dem Spiel. In diesem Fall müssten nachträglich Maklervollmachten eingeholt werden, um Ihre Rente zu sichern – zu einem Zeitpunkt, an dem Sie möglicherweise schon viele Jahre die Branche verlassen haben.

Die Risiken scheinbar bequemer Deals sind also groß. Stellen Sie deswegen bei Ihrem Nachfolger sicher, dass er die die personenbezogenen Daten Ihrer Kunden genauso respektvoll und sensibel behandelt wie Sie. Gehen Sie rechtlich und praktisch auf Nummer sicher mit Anbietern, die einer Maklervollmacht der Kundschaft einholen. Das sichert Ihnen wiederum Ansehen und Rente.

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